Limburg. Der Domplatz ist weiß, innen leuchten Kerzen, und es erklingt das Weihnachtsoratorium. Dieses Szenario durften am Sonntagnachmittag die Zuhörer des Konzerts der Domsingknaben erleben.
Von Paula Fischer - Quelle: NNP
Es gibt wohl nichts Festlicheres, nichts, was besser zu einem Weihnachtsfeiertag passt und zu dem man mehr Lust hätte nach all den Familienbesuchen und Festtagsessen, als das Weihnachtsoratorium von Johann Sebastian Bach. So war der Dom am Sonntagnachmittag voll besetzt von Zuhörern, die gekommen waren, um die letzten Stunden der Feiertage auszukosten und sich in die von Bach wunderschön vertonte Weihnachtsgeschichte zu versenken.
«Jauchzet, frohlocket, auf, preiset die Tage»; der mächtige Eingang-chor fasst in seinen ersten Versen das zusammen, worum es an Weihnachten und in Bachs gesamten Oratorium geht: die Freude über die Geburt Christi. Diese Freude brachten die Limburger Domsingknaben während des gesamten dreieinhalbstündigen Werks unter der Leitung von Klaus Knubben überzeugend zum Ausdruck, das sie gemeinsam mit den Solisten Ruth Ziesak, Alison Browner, Markus Schäfer und Klaus Mertens aufführten. Im Orchester musizierten Mitglieder des Frankfurter Museumsorchesters sowie das Trompetenensemble Reinhold Friedrich.
Die Domsingknaben sangen im Limburger Dom das Weihnachtsoratorium von Johann Sebastian Bach. Foto: Fischer
Das ging unter die Haut
Das Oratorium, das zu den bekanntesten Vokalwerken Bachs gehört, umfasst sechs Kantaten, die ursprünglich in sechs Gottesdiensten zwischen dem ersten Weihnachtsfeiertag und dem Epiphaniasfest aufgeführt wurden. Als umso außergewöhnlicher gilt es daher, das Werk einmal im Ganzen zu hören, das dennoch wegen seiner fortlaufenden Handlung als geschlossenes Oratorium zu betrachten ist.
Meist war es der Tenor Markus Schäfer, der als Evangelist in seinen Rezitativen mit auffallend ausdrucksstarker Mimik die neutestamentliche Weihnachtsgeschichte nach Lukas sowie Teile des Matthäusevangeliums vortrug und damit die Handlung vorantrieb. Die eigentlichen musikalischen Höhepunkte stellten jedoch die Arien, die Choräle und vor allem die festlichen Eingangs- und Schlusschöre dar. So verkörperten die festlichen Eingangschöre mit ihrer großen instrumentalen Besetzung, Vierstimmigkeit und Dur-Tonarten den Jubel über die Geburt Christi, den die Domsingknaben mit ihrem glanzvollen und strahlenden Klang mühelos auf die Zuhörer übertrugen, ohne dabei ins Pathetische zu verfallen. Bei den Chorälen zeigte sich der traditionsreiche Chor von einer anderen Seite, die weniger mächtig, jedoch umso intensiver und durchdringender war und damit unter die Haut ging.
Rosinenbrötchen
Unterbrochen wurde die Handlung neben den Chorälen und den Chören von den Arien, die die ausgezeichneten Fähigkeiten der Solisten hervorhoben. So sang Markus Schäfer die Arie «Frohe Hirten» und ihre Koloraturen mit völliger Leichtigkeit und schien tatsächlich dazu aufrufen zu wollen, möglichst schnell zum neugeborenen Kind zu eilen. Mit großer Ruhe und Würde trat Altistin Alison Browner auf, die die Alt-Arien wie «Schlafe, mein Liebster» mit ihrer wunderschön warmen und dunklen Stimme sang. Ruth Ziesak präsentierte sich mit viel Ausdruck und Mimik in den Arien für den Sopran, so auch in der Arie «Flößt, mein Heiland», bei der stets ein Domsingknabe das Sopran-Echo von der Empore aus sang. Fröhlich und heiter waren meist die Arien des Basses Klaus Mertens, so auch das Duett, das er gemeinsam mit Sopranistin Ruth Ziesak sang. Hier tendierte die Männerstimme jedoch leicht dazu, die Frauenstimme etwas zu verdecken. Das Terzett aus Sopran, Tenor und Alt war wiederum eine tolle Darbietung, in der die verschiedenen Charaktere der Solostimmen zum Ausdruck kamen.
Das Konzert wurde von einer Pause unterbrochen, in der die Pfadfinderschaft St. Georg die Zuhörer mit Glühwein und Rosinenbrötchen bewirtete.
Weihnachtsoratorium, Schnee und Glühwein also, weihnachtlicher hätte der Zweite Weihnachtsfeiertag nicht sein können.
Von Paula Fischer - Quelle: NNP



