Limburger Domsingknaben

„Jesus stirbt für uns“

LIMBURG - Am Karfreitag um 15 Uhr, der Todesstunde Jesu, haben sich mehrere hundert Gläubige im Hohen Dom zu Limburg versammelt, um gemeinsam mit Weihbischof Dr. Thomas Löhr und dem Domkapitel an das Leiden und Sterben Jesu Christi zu erinnern. In der Liturgie sangen die Domsingknaben (Leitung: Domkantor Klaus Knubben) die Leidensgeschichte (Johannespassion), die Gläubigen verehrten das heilige Kreuz und beteten für die Anliegen der Kirche und der Welt.

Der Allmacht der Liebe verpflichtet

„Jahr für Jahr lässt uns die Passionserzählung verstummen. Zu grausam ist dieses Geschehen“, sagte Weihbischof Dr. Thomas Löhr in seiner Predigt. Wäre die Leidensgeschichte ein Film, würde man wohl abschalten und wäre sie ein Buch, würde man es schnell zuklappen und nicht mehr anrühren. Jesus aber gehe seinen Weg souverän. Er stelle sich dem, was ihn erwartet und er vertraue auf seinen himmlischen Vater. Christus bekenne, dass er ein König ist, dessen Reich aber nicht von dieser Welt ist. Er trage sein Kreuz und vollende seine Sendung mit den Worten: Es ist vollbracht. „Es ist die Allmacht der Liebe, der Sendung, die er vom Vater hat und der allein er sich verpflichtet weiß“, erklärte Löhr das Wirken Jesu. Aus Liebe zu den Menschen sei Jesus seinen Weg gegangen. Die Liebe gab ihm die nötige Kraft.

In der Leidensgeschichte gehe es um Christus, den Sohn Gottes selbst. Und es gehe um den Menschen, um seine Haltung zu ihm und zu dem, was er in sich aufnehme. Dies sei in der Gestalt des Petrus erkennbar. In dem Moment, da sich Jesus den Mächten der Finsternis ausgeliefert sieht, wäre Petrus gefordert gewesen, sich zu ihm zu bekennen und sich vom Bösen in der Welt abzuwenden. „Es sind nicht nur meine Sünden, unsere Sünden, unter denen Jesus leidet. Es gibt Unrecht und Gewalt, Verfolgung und Erniedrigung, Einschüchterung und Unterdrückung und Vertreibung, es gibt die Opfer von Folter und die Lust derer, die sie quälen“, sagte Weihbischof Löhr. In seinem Tod überwinde Jesu das Böse, ohne Gewalt anzuwenden, denn er bleibe auf dem Weg der Liebe.

Jesu Zeugnis wird zum Auftrag der Kirche

Weihbischof Löhr warnte davor, sich allzu schnell für unzuständig zu erklären und auf die Grenzen der eigenen Einflussmöglichkeiten zu verweisen. Mit solchen Aussagen könne man sich nicht frei kaufen. Sie seien Selbstbetrug. Unrecht, Gewalt und das Gemeine zuzulassen sei schlimmer, als sie zu tun, sagte Löhr und griff damit ein Zitat des draufgängerischen Fliegergenerals Harras aus dem Drama „Des Teufels General“ von Carl Zuckmayer auf. Als Christ müsse man sich fragen, ob das Eintreten für Gott und die Menschen so ist, dass es das Eintreten Jesus gegen das Böse, gegen Unrecht und Gewalt auch heute ernst nehme. Jesu Zeugnis für die Wahrheit werde zum Auftrag für die Kirche. Im Blick auf das Kreuz des Herrn gedenke die Kirche ihres Ursprungs und ihrer Sendung. „Jesus stirbt für uns und für die ganze Menschheit. Heute gedenken wir seines Leidens, das uns heilt und rettet und Zuversicht gibt für uns und unsere Lieben. Und das uns als Kirche zum Auftrag wird“, so Löhr. (StS)