Limburger Domsingknaben

Grandioses Konzerterlebnis

Mendelssohn-Oratorium „Elias“ im Limburger Dom

Eine der großen biblischen Erzählungen, die Limburger Domsingknaben in bester Verfassung, dazu hervorragend harmonierende Solisten und Instrumentalisten: Mendelssohns „Elias“ im Limburger Dom war ein großartiges Erlebnis.

Limburg, von Thomas Lebeda

„Ganz großes Kino war das“, würde wohl die jüngere Generation in ihrer ganz eigenen - und uns Alten manchmal recht fremden - Formulierungskunst begeistert geurteilt haben und hätte den Nagel auf den Kopf getroffen mit ihrer Meinung über diese großartige, wahrlich dramatische Aufführung von Mendelssohns „Elias“ im Limburger Dom.

Allein der Stoff ist filmreif: Über das Volk Israel, das sich gespalten hat, herrscht ein schwächlicher König namens Ahab, der von seiner bösen und mächtigen Frau Isebel geleitet wird. Sie ist die Tochter des Königs von Sidon und von kleinauf als Anbeterin des Baal erzogen. Also drängt sie den Baalskult auch ihrem Mann und dem Volk Israel auf. Die Folge: Die Altäre Jahwes werden geschändet, die Propheten verfolgt und ermordet. Isebel isst mit 450 Baalpriestern an ihrer Tafel. Es ist der Tiefpunkt des von Gott auserwählten Volkes. Da kündigt Elias dem Volk Israels für ihren Abfall vom Glauben eine Gottesstrafe an: Drei Jahre wird es nicht regnen. Es folgen Missernten und Hungersnöte. Nach diesen drei langen Jahren kündigt Elias ein „Regenwunder“ an. Als Vorspiel lässt er die Baalpriester töten, und dann schickt Gott den ersehnten Regen.

Im zweiten Teil der Geschichte klagt Elias Ahab wieder der Verehrung Baals sowie verschiedener anderer Übeltaten an, woraufhin die Königin Isebel das Volk gegen Elias aufhetzt und den Befehl gibt, ihn zu töten. Elias flieht resigniert in die Wüste. Dort befiehlt ihm ein Engel, sich zum Berg Horeb zu begeben, wo ihm Gott begegnen werde. Gestärkt durch die Gotteserscheinung kehrt Elias nach Israel zurück und wird schließlich von Gott in einem „feurigen Wagen gen Himmel“ geholt.

Eine wahrhaft dramatische Geschichte, die Felix Mendelssohn-Bartholdy zu einem ebenso packenden Oratorium gemacht hat, in dem er seine ganze Musizierkunst auslebte. „Die letzte Note des Elijah ging unter in einem Unisono von nicht enden wollenden Applaussalven von tosendem Lärm. Es war, als hätte der lang gestaute Enthusiasmus sich endlich Bahn gebrochen und die Luft mit wilden Schreien der Begeisterung erfüllt“, lobte der Rezensent der London Times die Uraufführung des Oratoriums. Am 26. August 1846 hatte der Komponist selbst die rund 400 Aufführenden in Birmingham geleitet und damit einen seiner wohl größten Erfolge erzielt.

Perfektes Zusammenspiel

400 musizierten nicht im Limburger Dom, aber das tat der Wirkung der Musik nun wirklich keinen Abbruch. Domkantor Knubben hatte um seine exzellenten Domsingknaben exquisite Solisten und ein außerordentlich sensibel agierendes Opern-und Museumsorchester aus Frankfurt geschart, die allesamt hochkonzentriert und werkdienlich agierten. Mechthild Bach, Sopran, Alison Browner, Alt, und Christoph Prégardien (Elias) sind wohlbekannte Gesangskoryphaen aus der Region, die zusammen mit dem Tenor Markus Schäfer ein perfekt harmonisierendes Solistenquartett bildeten.

Den Tenor Christoph Prégardien als Bass zu erleben, war eine neue Erfahrung. Verständlich, dass er sich nicht mit der Tenor-Rolle bescheiden wollte, und natürlich war man gespannt, was er aus der Bass-Rolle des Elias machen würde. Ein grollender Prophet mit schwarzem Bass wollte und konnte er nicht sein, aber umso facettenreicher gestaltete der erfahrene Liedsänger den vielschichtigen Charakter des Elias. Wunderbar lyrisch, mühelos auch in Zorn und Spott, machte Prégardien seinen Elias zu einem großartigen musikalischen Erlebnis.

Mechthild Bach mit ihrem betörend schönen Sopran, der nichts von seinem jugendlichen Glanz verloren hat, stand dem in nichts nach und sang sich mit zwei Glanzstücken in die Herzen der Zuhörer. Gänsehaut-Atmosphäre wehte durch den Dom, als sie als Witwe Elias in nicht zu tröstender Trauer um die Erweckung ihres toten Kindes anflehte und später dann als Mahnerin „Höre Israel“ beim Volk Gottes Standhaftigkeit einfordert.

Harmonie und Kondition

Alison Browner bestach mit ihrem knabenhaft schlanken Alt als Engel und als Königin, der man die Rachsucht bei soviel Sanftheit nicht recht abnehmen wollte. Markus Schäfer komplettierte schließlich das Ganze zuverlässig als Haushofmeister und König Ahab.

Was zu betrachten bleibt, sind Chor und Orchester. Die Domsingknaben 2013 sind in einer glanzvollen Verfassung, die an Zeiten erinnert, die lange zurückliegen und sie in die vorderste Front der deutschen Knabenchöre einreihten. Ein bestechender homogener Klang durch alle Register, immer unangestrengt auch bei höchster Anforderung, aufmerksam und stets präsent, mit einer Kondition, die bis zur letzten Minute anhält, machen diesen Chor zu einem großen Geschenk. Zu danken ist das einer nimmermüden stimmlichen Ausbildung, aber auch einem professionellen Umgang mit den Jungen, die so motiviert wirken, als wollten sie niemals aufhören zu singen. „Der Herr ging vorüber“ mag als würdiger und überzeugender Nachweis für die Mächtigkeit der Domsingknaben gelten - in allen Disziplinen, die den Kathedralchor auszeichnen.

Das Orchester? Ein mustergültiger Partner, kongenial in allen Belangen, nicht aufdringlich, nicht zurückhaltend, gerade richtig halt, wie es sein soll. Domkantor Knubben führte alles präzise und aufmerksam zusammen und hielt es über das gesamte Konzert hinweg zusammen.