Limburger Domsingknaben

Der Weg führt in die Welt – Bischof erinnert an das letzte Abendmahl Jesu

LIMBURG – In einer festlichen und bewegenden Liturgie haben Christen in Limburg am Abend des Gründonnerstags, 28. März, an das letzte Abendmahl, das Jesus vor seinem Leiden und Sterben feierte, erinnert. „Tut dies zu meinem Gedächtnis. Dieser Auftrag, den wir in jeder Eucharistiefeier erfüllen, stammt aus dieser Nacht", erklärte Bischof Dr. Franz-Peter Tebartz-van Elst im Hohen Dom zu Limburg. Der Gründonnerstag rufe neu ins Bewusstsein, dass Jesus sich für den Menschen klein gemacht habe. Der Sohn Gottes habe anderen die Füße gewaschen und gesehen, was ihnen fehle. „Dort, wo wir die Not und den Mangel im Leben sehen und helfen, erfüllen wir den Auftrag des Herrn", so der Bischof. In Erinnerung an diesen Liebesdienst Jesu, die Fußwaschung, wurde auch einigen Gläubigen in der Liturgie des Gründonnerstags vom Bischof die Füße gewaschen. Nach dem Glorialied verstummten die Orgel und alle Glocken, um deutlich zu machen, dass nun die heiligen Tage des Leidens und Sterbens beginnen. Die Gläubigen konnten die Eucharistie in den Gestalten von Brot und Wein empfangen. Nach dem Schlussgebet wurden die geweihten Hostien in einer festlichen Prozession in die Sakramentenkapelle übertragen. Alle Kerzen erloschen, der Altar wurde abgeschmückt und alle Kreuze sind verhangen.

Kirche muss aus sich selbst herausgehen

In seiner Predigt erinnerte der Bischof an die beiden biblischen Orte, den Abendmahlssaal und den Garten Gethsemane, die in Jerusalem durch ein tiefes Tal voneinander getrennt sind. An diesen beiden heiligen Stätten ereigneten sich die Geschehnisse des Gründonnerstags. „Der Weg vom Abendmahlssaal in den Garten Gethsemane führt von drinnen nach draußen", so Tebartz-van Elst. Im Pessachmahl, das der Sohn Gottes mit den Jüngern feiert, deute er im innersten Kreis seine Hingabe an den Menschen an, die dann draußen zur Entäußerung seiner Liebe werde. So werde der Gründonnerstag zur Gründung der Kirche und die Einsetzung der Eucharistie bezeichne, wie Jesu sich der Welt und den Menschen aussetze. Die Fußwaschung sei ein Beispiel dafür, wie der Herr seine Jünger für die Liebe auf die Beine bringen will. Indem Jesus ihre Füße ergreife, wolle er, dass die Jünger begreifen, dass der Weg Jesu in die Welt führt. Dies sei auch die Bestimmung und Berufung der Kirche. Sie habe aus sich selbst herauszugehen. Der Bischof verwies hier auf die Predigt von Papst Franziskus, die er vor dem Konklave hielt. Er habe dabei darauf hingewiesen, dass die Kirche an die Ränder gehen müsse, an die Grenzen menschlicher Existenz, der Sünde, des Schmerzes, der Ungerechtigkeit, der fehlenden religiösen Praxis und überhaupt des menschlichen Denkens. „Da draußen in der Welt ist der Ort der Kirche", sagte Tebartz-van Elst. Hier könne sie zum Zeichen für die Welt werden, wenn sie aus dem Inneren des Abendmahlssaales komme. Je näher der Christ in der Eucharistie und in der Anbetung bei Christus sei, desto näher könne er beim Menschen sein. An den Rändern der Angst und Verlassenheit könne nur der wach bleiben, der wirklich bei Jesus ist. Wer diese Nähe zum Herrn nicht habe, halte es auch bei den Menschen nicht aus.

Der Kern des Glaubens darf nicht verloren gehen

„Wo der innerste Kern unseres Glaubens nicht mehr gewusst und nicht mehr geteilt wird, geht auch die Wachsamkeit für die Zeichen der Zeit verloren", so der Bischof. Beistand im Leben und wirkliche Solidarität, könne nur aus dem Mitfühlen und Mitgehen mit Jesus erwachsen. Dasein und bleiben seien die Gaben des Abendmahlssaales, die im Garten Gethsemane zur Aufgabe der Kirche werde. Im Garten seien die Jünger an ihre Grenzen gekommen und das Wachen sei ihnen nicht gelungen. Nur die Liebe Gottes überwinde diese Grenzen und erwecke die Jünger. „Dieses Beispiel Jesu wird in dieser Nacht zum Vermächtnis einer Liebe, die an die Ränder geht, und die menschliche Grenzen überschreitet", so Tebartz-van Elst. (StS)